Versicherungsrundschau
Heft 2022 12
Im Gespräch mit Mag. Gerald Basler, Vorstandsdirektor der Wüstenrot Versicherungs-AG Wo sehen Sie die größten Chancen­ der Versicherungswirtschaft in der Zukunft? Die größten Chancen liegen in der Schaden-Unfallversicherung. Die Schaden-Unfallversicherung hat im Vergleich zu anderen Geschäftsmodellen große Vorteile. Die Produkte, die wir anbieten, sind von niemandem substituierbar. Kein Kapitalmarkt kann eine Haushaltsversicherung abbilden.
Der „Österreichische Strukturplan Gesundheit“, kurz ÖSG, wurde aktualisiert. Seit Oktober 
2022 liegt die adaptierte Fassung des ÖSG 2017 vor und bietet einen Überblick über die Versorgungslage und gibt Empfehlungen für die Entwicklung der kommenden Jahre. Das Bundesgebiet ist nicht nur nach Bundesländern gegliedert, sondern auch nach überschaubaren Versorgungsregionen, sodass die lokalen Gegebenheiten aufgrund sachlicher Kriterien analysiert und bei Bedarf korrigiert werden können. Die Aussagen beruhen auf den Ergebnissen des Jahres 2018, sind also nicht durch die außergewöhnlichen Bedingungen verzerrt, die die Covid-Pandemie ausgelöst hat. Die Zielvorgaben der Experten aus der „Gesundheit Österreich GmbH“, kurz GÖG, sind auf das Jahr 2025 abgestellt. Erfasst sind die öffentlichen Krankenanstalten, die Unfallkrankenhäuser und die Sanatorien, der ambulante Bereich und die Rehabilitation.
Heft 2022 11
Im Gespräch mit Mag. Franz Mair, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Versicherung V.a.G. Die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit – eine richtige Initiative und eine problematische Umsetzung Das neue, große Regelwerk, das die Versicherungsunternehmen um­setzen müssen, verpflichtet zu einer nachhaltigen Geschäftspolitik.
In Deutschland startete am 1. Jänner 2021 der Aufbau der elektronischen Patienten- bzw. Gesundheitsakte, die kurz als ePA bezeichnet wird und laufend weiter entwickelt wird. Die Teilnahme ist in allen Bereichen freiwillig. Man ging davon aus, dass die ePA den Bürgerinnen und Bürgern, wenn sie eine medizinische Behandlung benötigen, große Vorteile bringt und daher gerne angenommen werden sollte. Man hätte in der ePA alle Gesundheitsdaten parat, der Arzt, die Ärztin könnte sich rasch ein Bild machen, die Behandlung würde früher starten und auf soliden Informationen aufbauen. Jedoch: Bislang, fast zwei Jahre nach der Einführung wird die ePA kaum angewendet, die Anteile liegen zwischen 0,4 und 0,7 Prozent der Personen, die die ePA nützen könnten. Um die elektronische Gesundheitsakte zu befüllen, muss man selbst aktiv werden Ein wesentliches Merkmal der Freiwilligkeit besteht in der Zuständigkeit der einzelnen Personen, nicht nur zu beschließen, ob man an der ePA teilnimmt, sondern es kann auch jeder und jede entscheiden, welche Befunde, Operationsberichte, Medikamente und sonstige medizinische Daten erfasst werden.
Heft 2022 10
Im Gespräch mit Mag. Stefan Jauk, Generaldirektor der ­Niederösterreichischen Versicherung AG Die Mitarbeiter sind fest in der ­Region verankert Die Niederösterreichische Versicherung ist ein regionales Unternehmen. Wie behauptet man sich gegen die Konkurrenz der überregionalen Anbieter? Wir konzentrieren uns auf Niederösterreich und Wien. In Niederösterreich sind wir als Regionalversicherung im Breitengeschäft Marktführer.
In den Analysen der OECD wird ein durchwegs positives Bild der wirtschaftlichen und sozialen Lage in Österreich gezeichnet, jedoch auf einen besonderen Schwachpunkt verwiesen, der europaweit zu beobachten ist. Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betont: Der nach wie vor frühe Pensionsantritt bewirkt durch die lange Lebenserwartung eine extrem hohe Belastung der Gesamtwirtschaft. Die Kombination aus Rentenzahlungen und dem Fehlen von Beiträgen der Älteren zur Wirtschaftsleistung ergibt bei derzeit mehr als 2,5 Millionen Pensionisten in Österreich enorme Summen. Während in der öffentlichen Diskussion überwiegend die Notwendigkeit eines späteren Übertritts in die Rente im Vordergrund steht, also die Pensions-
politik in die Pflicht genommen wird, setzt die OECD in ihren Berichten „Health at a Glance“ und „OECD Economic Survey of Austria 2022“ einen anderen Schwerpunkt. Demnach sei die Gesundheitspolitik gefordert, wenn es darum geht, die Menschen länger im Arbeitsprozess zu halten. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Covid-Pandemie die Lebenserwartung in Mitteleuropa nur um 0,6, in Österreich um 0,7 Jahre verringert hat und somit bei einem weiterhin dominierenden Pensionsantritt zwischen 60 und knapp 64 Jahren und einer Lebenserwartung von über 80 immer noch ein langer, von der Volkswirtschaft schwer finanzierbarer Aufwand entsteht.
Heft 2022 09
Die typische westliche Ernährung ist nicht gesund. Der Wechsel zu einer anderen, gesünderen Diät könnte in den USA und in Europa zu einer dramatischen Verbesserung des Gesundheitszustands und zur Verlängerung des Lebens um bis zu 13,7 Jahren führen. 
Diesen Rekordwert an zusätzlichen Lebensjahren erreichen 20-jährige, männliche Europäer, wenn sie sich von der üblichen Ernährung verabschieden und sich an die Ergebnisse einer neuen Studie aus Norwegen halten.
Heft 2022 07-08
In der Altersklasse der über 81-Jährigen beträgt der Anteil der Pflegebedürftigen 53,69 Prozent. Diesen Prozentsatz weist der Pflegevorsorgebericht 2020 des Sozialministeriums aus. Einfach ausgedrückt, jeder und jede Zweite über 80 braucht Pflege und diese Perspektive müssen 
alle Jüngeren zur Kenntnis nehmen. In der Gruppe der 61 bis 80-Jährigen sind es 8,71 Prozent, wobei der Pflegebedarf mit zunehmendem Alter steigt und verstärkt ab 70 auftritt. Die Statistik Austria weist derzeit 1,8 Millionen Einwohner über 65 Jahre aus. Diese Zahl 
wird bereits 2030 2,1 Millionen betragen und bis 2050 auf 2,7 Millionen ansteigen. In den kommenden drei Jahrzehnten werden folglich 900.000 Menschen mehr in der Alterszone sein, 
in der der Pflegebedarf besteht und zunimmt. Das bedeutet, ausgehend von den aktuellen 
1,8 Millionen, eine Zunahme um 50 Prozent. Man muss somit erwarten, dass sich die 
Zahl der Pflegebedürftigen ähnlich entwickeln wird.
Heft 2022 06
Nach der vor kurzem abgeschlossenen Aktualisierung der Daten gab es 2021 auf dem Globus 
432 Naturkatastrophen, berichtet das spezialisierte Forschungszentrum CRED an der katholischen 
Universität Louvain in Belgien. Im Schnitt der Jahre 2000 bis 2020 waren es 357. Weltweit waren im Jahr 2021 10.492 Tote zu beklagen – 5.000 in Asien. 101,8 Millionen Menschen 
waren von Naturkatastrophen betroffen, 66 Millionen allein in Asien. Die wirtschaftlichen Schäden 
betrugen 252,1 Mrd. US-Dollar, davon entfielen auf die USA 112,5 Mrd. $. Die Zahl der Opfer und der geschädigten Personen lag unter dem Durchschnitt der vergangenen 
zwanzig Jahre, es gab aber mehr Katastrophen und der Umfang der ökonomischen Verluste war 
deutlich größer.
Das traditionelle Kernstück der Leistungen, die die Private Krankenversicherung bietet, ist der Aufenthalt in Privatspitälern bzw. in der Sonderklasse der öffentlichen Krankenhäuser. 49 Prozent der privat Versicherten haben in den vergangenen drei Jahren diese Leistungen, kurz die 
Sonderklasse in Anspruch genommen, 33 Prozent stationär – 16 Prozent ambulant, und dabei beste Erfahrungen gemacht: In einer kürzlich vom Institut „wissma Marktforschungs GmbH“ durchgeführten Studie gaben die Patienten sehr gute Bewertungen ab.
Heft 2022 05
Die EU-Kommission hat Anfang Mai die Schaffung eines Europäischen Gesundheitsdatenraums gestartet, der ab 2025 funktionieren soll. Dann würden in jedem EU-Mitgliedstaat Ärzte auf die Patientendaten in allen anderen EU-Ländern zugreifen können und diese auch in der eigenen Landessprache ausgewiesen bekommen, um Übersetzungsprobleme zu vermeiden. Bei Auslandsreisen, Jobs oder Studien in einem anderen Staat hätte man also eine weit höhere Absicherung als jetzt. Derzeit bestehen nur in elf der insgesamt 27 EU-Staaten Systeme, die eine elektronische Gesundheitsakte betreiben. Diese 11 sind zudem unterschiedlich aufgebaut, unterschiedlich weit entwickelt, funktionieren nur im eigenen Land und kommunizieren nicht grenzüberschreitend miteinander. Die EU will mit dem Datenraum erreichen, dass alle Mitgliedstaaten über europaweit verbundene e-Health-Einrichtungen verfügen.
Im Gespräch mit Dr. Judit Havasi, Generaldirektorin der Donau Versicherung AG VIG Wie kann man die Donau Versicherung charakterisieren, was sind ihre besonderen Eigenschaften? Die Donau ist eine echte Komposit-Versicherung, die den Kundinnen und Kunden eine umfassende Palette an Produkten bietet. Das ist heute keineswegs mehr selbstverständlich. Wir pflegen eine besondere Kundennähe, wobei das persönliche Gespräch im Vordergrund steht. Wir verstehen uns als Regionalversicherer, unterhalten in den Bundesländern jeweils Landesdirektionen und bundesweit rund 70 Geschäftsstellen.
Heft 2022 04
Die Veränderung des Gesundheitswesens lässt sich an vielen bereits eingetretenen Entwicklungen ablesen. Die Zukunft des Spitals ist allerdings nur schwer abzuschätzen. Es gilt, die verschiedenen, nicht selten widersprüchlichen Perspektiven aufzuzeigen.
Heft 04 2022
Die Veränderung des Gesundheitswesens lässt sich an vielen bereits eingetretenen Entwicklungen ablesen. Die Zukunft des Spitals ist allerdings nur schwer abzuschätzen. Es gilt, die verschiedenen, nicht selten widersprüchlichen Perspektiven aufzuzeigen.
Heft 2022 01-02
Die österreichische Spitalslandschaft befindet sich in einem langsamen, aber kontinuierlichen Strukturwandel, der seit längerem einem weithin  anerkannten Konsens folgt. Weniger stationär, mehr ambulant, entsprechende Lösungen für die Versorgung der chronisch Kranken und zusätzliche Kapazitäten für den steigenden Bedarf an Rehabilitation und geriatrischer Versorgung. Eingriffe, die nur wenige Stunden in Anspruch nehmen und daher tagesklinisch oder ambulant durchgeführt werden, spielen eine immer größere Rolle. Die Entwicklung der Krankenhäuser folgt in einem längerfristigen Prozess diesen allgemeinen Vorgaben.
Im Gespräch mit den Vorstandsdirektoren Dr. Peter Eichler 
(UNIQA Österreich Versicherungen AG), Manfred Bartalszky (WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG VIG) und Dr. Martin Sturzlbaum (Generali Versicherung AG) in ihrer Funktion als Vorsitzende der Sektion Lebensversicherung im österreichischen ­Versicherungsverband VVO. Ohne Zinserträge ist eine ­Kapitalgarantie in Kombination mit einer Inflationsabgeltung unmöglich Die EU-Kommission propagiert als Instrument der privaten Alters­vorsorge das „Pan-European Personal Pension Product“, kurz PEPP. Es entsteht allerdings der Eindruck, dass die Versicherungen diese Initiative ablehnen. Eichler: Wir sind nicht grundsätzlich gegen das PEPP. Es ist sogar eine lobenswerte Initiative, dass die private Altersvorsorge auf EU-Ebene in den Vordergrund gestellt wird. Wir sind nur gegen die vorliegende Gestaltung des PEPP. Das PEPP enthält zwei Vorgaben, die unter den derzeit auf den Kapitalmärkten herrschenden Bedingungen nicht erfüllt werden können. Mit dem PEPP soll den Kunden eine Quasi-Garantie des eingezahlten Sparkapitals und eine Abgeltung der Inflation zugesagt werden. Nachdem auf dem Markt keine Zinserträge zu erwirtschaften sind, kann man die im PEPP gestellten Anforderungen nicht erfüllen. Aktuell wird die Problematik noch durch den Umstand verschärft, dass die Inflation stark steigt, aber höhere Zinsen nicht absehbar sind.
Im
 Gespräch
 mit
 Dr.
 Philipp
 Wassenberg,

 Vorstandsvorsitzender 
der 
ERGO
 Versicherung
AG Die Nachhaltigkeit ist ein ­entscheidender Bestandteil ­unserer Strategie Die Versicherungen sind angehalten, in allen Geschäftsbereichen die Nachhaltigkeit zu verankern. Wie geht die ERGO mit dieser Herausforderung um? Die Nachhaltigkeit ist bereits ein entscheidender Bestandteil unserer Strategie, das gilt für den gesamten Konzern, die Munich Re, die ERGO und auch für die anderen Gesellschaften. In Österreich sind drei Themen adressiert: Nachhaltige Investments, nachhaltige Produkte und die nachhaltige Wirkung des Unternehmens. Wir sind in der Umsetzung gut unterwegs.
Heft 2021 12
Das Gesundheitswesen entwickelt sich derzeit im Zeichen einer umfassenden Digitalisierung. Diese Bewegung ist ohne Zweifel erfreulich, da sie viele neue Perspektiven eröffnet. Allerdings herrscht derzeit weltweit ein Wildwuchs, der sich an der Flut von Apps ablesen lässt. Tausende Angebote bieten die unterschiedlichsten Services. Manche haben hunderttausende Nutzer, -manche finden keinen Anklang und werden nach kurzer Zeit nicht mehr gepflegt. In diesem Umfeld dominiert der Ideenreichtum der Softwareentwickler, die tatsächlichen Bedürfnisse der Patienten finden nicht immer die entsprechende Berücksichtigung. Auch ist die Qualität der Angebote in vielen Fällen schwer oder nicht überprüfbar. Eine stärkere Patientenorientierung wäre unbedingt notwendig.
Heft 2021 11
Vor zehn Jahren, 2011, wurden Österreichs Gesundheitsziele formuliert. Ausgelöst wurde die Initiative durch die Feststellung, dass die Bevölkerung insgesamt weniger gesund ist als in vergleichbaren Ländern und vor allem im Alter früher mit Krankheiten zu kämpfen hat als anderswo. Trotz der Bemühungen besteht immer noch ein Nachholbedarf. Im vergleichenden Gesundheitsindex der OECD liegt Österreich auf Platz 17. Das Nachbarland Schweiz belegt den 6. Platz, Italien den 13. Ein Vergleich mit Deutschland, das den 23. Rang einnimmt, ist problematisch, weil die neuen Bundesländer immer noch die Nachwirkungen der DDR spüren. Bemerkenswert ist, dass die USA beim „Better Life Index“ an 7. Stelle stehen. Leider sind die OECD-Daten in der Zeitreihe nicht vergleichbar, sodass man nicht sagen kann, ob eine Verbesserung oder Verschlechterung eingetreten ist. Aber eines ist klar: Platz 17 bedeutet für Österreich nach wie vor Handlungsbedarf.
Im Gespräch mit Dr. Ralph Müller, Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung AG Die Versicherungen sollen im Rahmen ihrer Veranlagungen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sind da die Unternehmungen nicht überfordert? Als Versicherer bekommen wir die Folgen des Klimawandels unmittelbar in den Schadensentwicklungen zu spüren. Es ist daher richtig, dass auch wir einen Beitrag für den Klimaschutz leisten.
Heft 2021 10
Die Gesundheitskosten wachsen jährlich um 4 Prozent Das österreichische Gesundheitswesen hat im Pandemiejahr 2020 ein hohes Maß an Widerstandsfähigkeit gezeigt. Diese Feststellung ergibt sich aus den nun verfügbaren, allerdings noch vorläufigen Daten. Dementsprechend ist gegenüber den Vorjahren trotz der extremen Belastungen durch Covid-19 kein Bruch zu verzeichnen. Die Gesamtausgaben beliefen sich nach vorläufigen Daten der Statistik Austria, die auch Bestandteil der OECD-Auswertungen sind, auf 45,97 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahresergebnis 2019 von 44,16 Mrd. Euro ergab sich somit eine Steigerung um 4,1 Prozent, womit keine dramatische Veränderung gegenüber dem langjährigen Wachstum von jeweils 4,0 Prozent im Jahr zu verzeichnen war. Bei der langfristigen Betrachtung zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg. 2010 beliefen sich die Aufwendungen auf 32,30 und 2015 bereits auf 38,3 Mrd.
Heft 2021 09
In der EU-Kommission wird eifrig an der Schaffung eines „Europäischen Gesundheitsdatenraums“ gearbeitet. Hochrangige Experten haben an den Details zuletzt zu Beginn des Sommers beraten und werden bereits im November das nächste Treffen abhalten. Die Zielsetzung ist überzeugend, im Folgenden ein Zitat von der offiziellen Webseite der EU:
Im Gespräch mit Dr. Andreas Brandstetter, Präsident von Insurance Europe, Vorstandsvorsitzender der UNIQA Insurance Group AG Die Versicherungen unterstützen die Umsetzung des „Green Deal“ der EU Die EU-Kommission hat mit dem „Green Deal“ die Nachhaltigkeit in den Vordergrund gerückt und auch die Versicherungswirtschaft in die Pflicht genommen. Wir begrüßen diese Entwicklung als europäische Versicherer und sind sehr gerne bereit, unseren Beitrag zu leisten. Viele Unternehmen haben auch schon von sich aus diesen Weg eingeschlagen. Ich darf als Beispiel auf unsere Gruppe verweisen. Die Uniqa hat bereits vor längerem die Versicherung von Kohleminen und -kraftwerken eingestellt, obwohl diese Maßnahme den Verzicht auf hohe Prämien bedeutet hat.
Heft 2021 06
Der italienische Versicherungsmarkt weist eine markante Besonderheit auf. Das abgegrenzte Prämienaufkommen war 2020 mit 151,3 Mrd. Euro im Jahr beachtlich und ergibt somit eine hohe Versicherungsdichte. Allerdings entfallen allein 113,3 Mrd. Euro auf die Lebensversicherung, sodass alle übrigen Sparten auf 38 Mrd. Euro kommen. Auf die Einzelnen umgelegt ergibt sich, dass die durchschnittliche Lebensprämie etwa 1.900 Euro im Jahr beträgt und die anderen Sparten rund 600 Euro einnehmen, wobei die Kfz-Prämien dominieren. Im Gesundheitsbereich entfielen 3,6 Mrd. Euro auf die Unfallversicherung und 3,1 Mrd. Euro auf die Krankenversicherung. Bei einer Bevölkerung von 60 Millionen bedeuten 3 Mrd. eine Durchschnittsprämie von 58 Euro im Jahr. Die Einkommen in Italien lassen den meisten Haushalten nur einen kleinen Spielraum Diese Daten sind im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation in Italien zu sehen.
Im Gespräch mit Generaldirektor Mag. Othmar Nagl, Oberösterreichische Versicherung AG Die Regionalversicherung punktet mit der Nähe zum Kunden Wie schafft man es als Regionalversicherer trotz heftiger Konkurrenz im Land Nummer 1 zu bleiben? Auch im Zeitalter der Digitalisierung ist die menschliche Nähe entscheidend. Unsere Vermittler pflegen einen engen Kontakt zu den Kunden, kennen sie oft auch aus anderen Lebensbereichen, etwa der Arbeit in Vereinen.
Heft 2021 05
Die österreichische Krankenversicherung weist besondere Merkmale auf, die sich von den 
Systemen der meisten Länder unterscheiden. In der allgemeinen Theorie wird meist von einem Entweder – Oder ausgegangen: Die Bürgerinnen und Bürger haben den Krankenschutz 
entweder in der Sozialversicherung oder in der Privatversicherung. Verschiedentlich wird in der Theorie auch die Meinung vertreten, es sollte kein Entweder – Oder geben, sondern nur eine Form, meist mit der Ausrichtung, dass die Sozialversicherung alle Aufgaben übernehmen sollte. Derartige Diskussionen gibt es auch gelegentlich in Österreich, doch in der Praxis herrscht eine funktionierende Kooperation der beiden Träger, die auch von der Bevölkerung mitgelebt wird. Mit wenigen Ausnahmen ist die gesamte Bevölkerung durch die Sozialversicherung geschützt und 37,92 Prozent haben zudem eine private Krankenversicherung. Die private Krankenversicherung versteht sich als ergänzender Partner zur gesetzlichen Sozialversicherung.
Heft 2021 04
Im Gespräch mit KR Mag. Robert Lasshofer, Präsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs, Vorstandsvorsitzender des Wiener Städtischen Versicherungsvereins. Die Pandemie dauert schon länger als ein Jahr. Wie hat die Versicherungswirtschaft diese Phase bewältigt? Die Versicherungswirtschaft hat diese Periode aus eigener Kraft gemeistert. Kein Unternehmen hat die Hilfe des Staats in Anspruch genommen.
Europaweit soll im Laufe des Monats Mai oder spätestens im Juni ein Gesundheitspass unter dem Titel „Grüner Pass“ eingeführt werden, der dem Besitzer, der Besitzerin die Bewegungsfreiheit wiedergeben soll. Auf einen einfachen Nenner gebracht, wer geimpft ist, wird keinen Beschränkungen mehr unterliegen. Allerdings soll der „Grüne Pass“ nicht nur ein Impfpass sein, sondern über die Impfung hinaus zusätzliche Informationen enthalten. Diese erfreuliche Initiative ist allerdings nicht ohne Probleme umzusetzen. Schon der erste Satz „wer geimpft ist, wird sich frei bewegen können“ wird nur unter bestimmten Bedingungen zutreffen. Reisen sollen auch Personen können, die Covid-19 überstanden haben und als immun gelten. Doch auch hier stellt sich die Frage „sind die Betroffenen tatsächlich immun?“. Nicht zuletzt geht es um die elektronische Erfassung der genannten Daten und auch der Antigen-, PCR- und Antikörpertests – eine nicht einfache Aufgabe. Darüber hinaus hakt es noch bei einigen Organisationsfragen, die die Tests und die Impfungen betreffen.
Heft 2021 03
„versicherungsrundschau“ im Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Martin Schauer, Institut für Zivilrecht, Universität Wien Auf dem Weg zum information overload Die Versicherungswirtschaft ist eine Branche, die in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl neuer Rechtsvorschriften konfrontiert wurde. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Mein Gebiet ist das Vertragsrecht und da beachte ich im Besonderen die Pflichten des Versicherers und der Vertriebspersonen beim Vertrieb der Versicherungsprodukte.
In der Eidgenossenschaft müssen alle Bewohner, Inländer wie Ausländer, über eine Kranken- und -Unfallversicherung verfügen. Es besteht Versicherungspflicht, aber man wählt das Versicherungs-unternehmen frei, es gibt keine Pflichtversicherung. Man kann von einer Art privater Sozialversicherung sprechen: Sämtliche Anbieter sind angehalten, allen Versicherten die gleichen Prämien und die gleichen- Leistungen anzubieten. Auch darf niemand abgewiesen werden, es besteht Kontrahierungspflicht. -Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zur in anderen Ländern üblichen Sozialversicherung: Die Prämien der einzelnen Versicherungsunternehmen sind zwar für alle Versicherten gleich, aber zwischen den Unternehmen bestehen Unterschiede und so werben Vergleichsportale mit dem -Argument, man könne 3.000 Franken im Jahr sparen, wenn man wechselt. Es herrscht also Wettbewerb,- allerdings mit Einschränkungen. Über die obligatorische Versicherung hinaus spielt die freiwillige -Zusatzversicherung eine wichtige Rolle, die den Regeln der Versicherungsmathematik und 
des Vertragsrechts folgt.
Im Gespräch mit Dr. Peter Braumüller, FMA-Bereichsleiter ­Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht, derzeit Vorsitzender der Europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA. Wie hat die Versicherungsbranche die Corona-Krise gemeistert? Die Lage ist insgesamt stabil. Im Mittel haben wir eine Solvabilitätsquote von gut über 200 Prozent, eine wichtige Kennzahl, die auch signalisiert, dass die Auswirkungen der Corona-Krise bisher gut bewältigt wurden. Manche Unternehmen liegen mit der Kapitalausstattung am unteren Ende, doch ist keines im kritischen Bereich. Im ersten Halbjahr 2020 hat die Solvency Capital Ratio (SCR-Quote) nach dem Ausbruch der Krise gelitten, bis zum Jahresende folgte dann eine Erholung.
Heft 2021 01-02
Die Private Krankenversicherung – PKV – in Deutschland arbeitet unter besonderen Bedingungen: Die PKV ist eine Vollversicherung und folglich eine Konkurrenz der gesetzlichen Sozialversicherung – GKV. Bis zu einer monatlichen Einkommenshöhe von 5.362,50 Euro im Jahresdurchschnitt ist man pflichtversichert bei der GKV, ab diesem Wert kann man auswählen und sich als Arbeitnehmer bei der PKV versichern, man wechselt von der Pflichtversicherung in die Versicherungspflicht. Beamte, Selbstständige und Studenten können ohne Beachtung einer Einkommensgrenze die PKV wählen. Allerdings stagniert die Zahl der vollversicherten PKV-Kunden bei leicht sinkender Tendenz, während in der Krankenzusatzversicherung ein starkes Wachstum zu verzeichnen ist: Man ist bei der GKV versichert und holt sich die von der GKV nicht finanzierten Leistungen von der PKV. Dieses in 
Österreich dominierende Modell setzt sich auch in Deutschland immer stärker durch.